Demokratie – na klar?

Ein Artikel von Lara Tomas (Gast-Autorin)

Wer hätte vor ungefähr einem Jahr gedacht, dass der Anblick von Menschenmassen für uns etwas so Ungewöhnliches werden könnte? Konzerte, Kundgebungen und andere derartige Veranstaltungen mit ihren entsprechenden  Menschenmengen zu sehen oder gar daran teilzunehmen, galt einfach als selbstverständlich.

Das angeführte Beispiel soll als Denkanstoß für diesen Beitrag dienen: Genauso selbstverständlich wie diese Menschenansammlungen vor Corona für uns waren, ist für viele Deutsche auch die Demokratie geworden.

„Man weiß erst was man hatte, wenn man es verloren hat“. In diesem Satz steckt mehr Wahrheit, als man wahr haben mag. So beispielsweise, wenn man die politischen Entwicklungen der letzten Jahre in einigen, eigentlich so genannten „demokratischen“, Ländern – auch in Europa – betrachtet.

Dass das Leben in einer Demokratie, besonders unter der jungen Generation, häufig als  selbstverständlich erachtet wird, ist ein bekanntes Phänomen. Doch wieso ist das so? Zum einen ist es schwierig sich vorzustellen, was alles schief laufen könnte, wenn man mit einem stabilen politischen System und ohne größere Schwierigkeiten aufwächst. Man kennt es einfach nicht anders und sieht es daher als selbstverständlich an. Klar hat man im Unterricht mal von Nordkorea und dessen politischem System gehört, welches als das restriktivste der Gegenwart gilt. Aber was soll das schon mit Deutschland zu tun haben, hier ist schließlich alles viel besser…

Zum anderen werden demokratische Beteiligungsformen oft unterschätzt. In einer im Jahr 2020 privat durchgeführten (und nicht repräsentativen) Umfrage zur Wahlbeteiligung unter Jugendlichen auf Instagram, war eine der häufigsten Angaben, weshalb das persönliche Wahlrecht nicht in Anspruch genommen wird, dass man mit seiner einen Stimme sowieso keinen Einfluss auf das Wahlergebnis habe. Fast ebenso präsent unter den Antworten war eine allgemeine Unzufriedenheit mit gegenwärtigen politischen Entscheidungen. Man könnte meinen, dass dies eigentlich einen Anstieg der Wahlbeteiligung bewirken sollte, doch entgegen dieser Annahme hat es bei einigen eher zu einer totalen Abwendung von jeglichen politischen Themen und Beteiligungsformen geführt.

Kommen wir zum Einstiegsbeispiel zurück. Nachdem Corona uns leider schon mehr als deutlich aufgezeigt hat, was alles nicht so selbstverständlich ist wie zuvor angenommen, können wir aus dieser Erfahrung nun wenigstens einen Nutzen ziehen. Dieser Beitrag soll alle Leser:innen dazu animieren, sich einen Moment Zeit zu nehmen und zu überlegen, welche Selbstverständlichkeiten unseres politischen aber auch alltäglichen Lebens eigentlich gar nicht so selbstverständlich –aber dennoch unverzichtbar– sind. Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, wie man selbst zu einer funktionierenden Demokratie beitragen kann. Nur dann können wir auch wirklich sagen: DEMOKRATIE– NA KLAR!

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